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Politik
Finanzkrise literarisch - vom 02.11.2008, 10:02
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Stefan Bühner
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Wenn die Börsenkurse fallen, regt sich Kummer fast bei allen, aber manche blühen auf: Ihr Rezept heißt Leerverkauf.....
So der Beginn eines Gedichtes, dass aktuell per Mail versendet und erstmals 1930 von Kurt Tocholsky in der Weltbühne veröffentlicht sein soll. Das dieses Gedicht so perfekt auf die akuelle Situaltion passt erstaunt und erfreut einen dann doch gewaltig. Allerdings ist dieses Gedicht mal wieder ein Beispiel dafür, dass man nicht alles was im Internet veröffentlicht wird ungeprüft glauben darf. Ein wenig Recherche klärt über die wahre Herkunft des Gedichtes auf.
Tatsächlich stammt dieses Gedicht wohl aus einer anderen Feder. Der Text findet sich ursprünglich auf der Website eines gewissen, "freiheitlich" gesinnten Pannonicus (www.genius.co.at/index.php?id=165), der mit richtigem Namen Richard G. Kerschhofer heißt, öfter für die deutlich rechts angesiedelte österreichische Zeitschrift "Zeitbühne" schreibt und wohl auch gewisse Sympathien für die FPÖ hegt (Quelle: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/1618259_Freiheitlich.html). Auch der Sudelblog berichtet über die Enstehung der Legende, http://www.sudelblog.de/?p=378 .
Auch wenn wir dieses tolle Gedicht leider nicht Herrn Tucholsky sondern einem österreichischen Freiheitlichen zu verdanken haben, hier nun nochmal weils so schön ist, das Gedicht als Ganzes:
Wenn die Börsenkurse fallen, regt sich Kummer fast bei allen, aber manche blühen auf: Ihr Rezept heißt Leerverkauf.
Keck verhökern diese Knaben Dinge, die sie gar nicht haben, treten selbst den Absturz los, den sie brauchen - echt famos!
Leichter noch bei solchen Taten tun sie sich mit Derivaten: Wenn Papier den Wert frisiert, wird die Wirkung potenziert.
Wenn in Folge Banken krachen, haben Sparer nichts zu lachen, und die Hypothek aufs Haus heißt, Bewohner müssen raus.
Trifft’s hingegen große Banken, kommt die ganze Welt ins Wanken - auch die Spekulantenbrut zittert jetzt um Hab und Gut!
Soll man das System gefährden? Da muss eingeschritten werden: Der Gewinn, der bleibt privat, die Verluste kauft der Staat.
Dazu braucht der Staat Kredite, und das bringt erneut Profite, hat man doch in jenem Land die Regierung in der Hand.
Für die Zechen dieser Frechen hat der Kleine Mann zu blechen und - das ist das Feine ja - nicht nur in Amerika!
Und wenn Kurse wieder steigen, fängt von vorne an der Reigen - ist halt Umverteilung pur, stets in eine Richtung nur.
Aber sollten sich die Massen das mal nimmer bieten lassen, ist der Ausweg längst bedacht: Dann wird bisschen Krieg gemacht.
Letztes wollen wir mal nicht hoffen, auch wenn es wie uns die Vergangenheit lehrt in der Endkonsequnez leider die logische Schlussfolgerung der Krise ist.
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